Das "Fürstentum Germania" ist in seinen Grundzügen einer Sekte nicht unähnlich. Eigentlich wollte ich die signifikanten Merkmale anhand dieser Checkliste analysieren und die Gemeinsamkeiten aufzeigen. Doch es kam mir schon jemand zuvor. Sein Pseudonym lautet "Ein Schelm" und er hat den folgenden, analytisch hervorragenden Beitrag als Kommentar im Geistig-Befreit-Blog hinterlassen.
Da ich finde, dass der Text auch für die Öffentlichkeit einen gewissen Mehrwert hat, wird er hier als Gastbeitrag verewigt.
Sicherlich sektenähnlich ist wie man mit kritischen Gegenmeinungen umgeht.
"Gib keine Energie rein!"
"Lasst Euch von der Angst derjenigen nicht anstecken, die Veränderung fürchten!"
usw.
Das hat eine andere Qualität als der "Lohnschreiber"- oder Systemling-Vorwurf. Das Gegenargument wird heute abgelehnt weil es ein Gegenargument ist, nicht weil es aus einer bestimmten Richtung kommt. Das Weltbild soll komplett vor Kritik beschützt werden, denn nur die kritiklose Athmosphäre hält die Energien soweit konzentriert, dass man erfolgreich sein kann. Auf diesem Level liegt wohl auch das eigenartige Desinteresse der Germanier an der eigentlichen Begründung ihres "Staates" - den meisten scheint es egal zu sein, wie das mit dem "Kirchenstaat" und dem "Lehnswesen" überhaupt zusammenhängt.
Das ist Selbstentmündigung, ganz ähnlich dem Aktzeptieren eines religiösen Dogmas über das hinaus nicht gedacht werden darf, will man Teil der religiösen Gemeinschaft bleiben.
Das Gesellschaftsbildenden, die strikte Abschottung ist ein anderes Merkmal. Die Germanier sind zwar offen, aber nur in eine Richtung: Auf sie zu. Sie sind bereit, die "Gesellschaft" aufzuklären, ihr die "Zusammenhänge" zu erklären, der Gesellschaft alles mögliche beizubringen - aber das funktioniert nur in eine Richtung, von oben (der Wahrheit der Germanier) nach unten (der unwissenden Gesellschaft). Nun zieht ein Projekt wie Germania gerade Leute an, die den ihnen (nach eigenem Empfinden)zustehenden Platz in der Gesellschaft nicht gefunden haben. Da ist der Gedanke, den reset-Knopf zu drücken vielleicht ganz angenehm.
Die Leute im Forum dort scheinen jedenfalls sich selbst für eine Art Elite zu halten, die der Gesellschaft furchtbar viel zu geben hätte (Freie Energie, gerechte Wirtschaftsordnung, Frieden und Harmonie). Doch man lässt sie nicht, weil die bösen gegnerischen Kräfte es verhindern. So ein Selbstbild macht einen zu einer Kassandra, die immer Recht hat der aber niemand glaubt.
Intellektuell und emotional wird so eine Form von Selbstgerechtigkeit etabliert, die keinen anderen Massstab mehr als sich selbst kennt. Man lernt nicht mehr dazu sondern nur seine eigenen Ideen immer besser kennen. Entscheidende Impulse, die den Horizont erweitern, werden bei Entstehung abgeschnitten, denn gerade die Begrenztheit und Übersichtlichkeit des Weltbildes schafft Vertrauen und Geborgenheit.
Für diese Selbstdisziplinierung erhält man eine verstehbare Welt und für sich selbst ein Plätzchen auf der Seite des "Guten".
Und damit erhält man Anerkennung von denjenigen, die auch Teil dieser Elite sind sowie Spott und Ablehnung von denen, die noch im Dunkeln leben und von den bösen Eliten im Dunkeln gelassen werden.
Anerkennung ist ein wichtiger Punkt - es ist sehr offensichtlich wie darum gerungen wird, wie die "Rechtsexperten" und "Finanzexperten" und die "Enegieexperten" da ihre Wichtigkeit und ihren vermeintlichen Wissenvorsprung auch gegenüber der eigenen Gruppe ausspielen. Aber "Anerkennung" spielt auch im Aussenverhältnis für viele eine entscheidende Rolle. Denn sie wollen die Anerkennung der internationalen Eliten, ja die Unterordnung derselben wie man an der Idee des Friedensvertrages sieht, den der Kriegsverlierer den Kriegsgewinnlern diktiert und der die AUflösung der Weltgemeinschaft zur Folge hat.
Dann lehnen sie die BRD entschieden ab - wollen aber letztlich auch von den Systemlingen anerkannt werden, wenn sie diese wie Moses aus der Knechtschaft ins gelobte Land/Reich führen. Anerkennung untereinander, durch fremde Eliten, durch diejenigen bei denen sie sich nicht durchsetzen konnten. Denn das eigene Recht braucht, um allgemeines Recht zu werden, nunmal allgemeine Anerkennung. Eine Art Grundparadox dieser selbstständigen Freigeister.
Dabei sind die Germanier natürlich jeder für sich auf seinem Weg zu seiner Wahrheit schon so weit und die Abgrenzung vom "mainstream" ist so identitätsstiftend, dass Kompromisse als entscheidende Einschnitte in die Autonomie verstanden werden. Dieser Abstossungsreflex hat immer das Potential eine Gruppe zu spalten, bzw. nur rudimentäre Gruppenstrukturen entstehen zu lassen. Bei Germania machen einige mit, die in jeder denkbaren Gesellschaftsordnung Anpassungsschwierigkeiten hätten - es sei denn, es wäre ihre eigene.
Es braucht also eine Klammer, die die Egoismen und Widerstände zumindest zeitweise ausklammert, ein höheres Ziel, ein Symbol oder einen Führer.
Alles dies ist beim Fürstentum vorhanden, ein "Staat", ein Grundstück samt "Schloss" und Jessie, der völlig ausserhalb jeder Kritik steht.
Wie wenig Anforderungen diese individualistischen, kritischen Freigeister dann tatsächlich haben wenn alles zusammen kommt zeigt die Gestalt "Marsson" der von allen Figuren, die bislang im KRR-Bereich aufgetaucht sind in meinen Augen die absurdeste ist aber das Ausgestossensein, das Leiden, das Märtyrerhafte und Verfolgte für diejenigen die ihm glauben und folgen verkörpert.
Wenn das Fürstentum nicht sektenähnliche Strukturen hätte, würde es als Gruppe gar nicht funktionieren können. Ob diese Strukturen ausreichen die quecksilbrigen Naturen der Germanier auf Dauer einzubinden halte ich für fraglich. In einer gewissen Weise brauchen sie uns, die Kritiker. Denn selbst wenn der Treibstoff an Gemeinsamkeiten erschöpft ist bleibt immer noch der Zusammenhalt einer kleinen, "verfolgten" Gruppe, Wagenburgmentalität, Zwangssolidarität als eine Art starke Kernkraft. Wie weit dies in der Lage ist das Grüppchen auf Dauer zusammen zu halten ist eine superspannende Frage.
Denn das ist ja die eigentliche Chance der Germanianer - aus dem Scheitern des Fürstentums die richtigen Schlüsse für sich zu ziehen.
Persönlich finde ich es erfreulich, dass dieser KRR-Mist vielleicht endlich mal etwas ernster genommen wird. Denn er hat sich auch deswegen zu einem weitverbreiteten Mythos entwickeln können, weil man ihn allzu leicht belächeln kann und die Dynamik unterschätzt wird. Ein simpler Grundstückskauf hat das geändert, jetzt nimmt man sie so ernst wie sie es schon lange verdienen.
Und wenn jetzt ein PDS-Landtagsabgeordneter und ein Richter mit PDS-Hintergund vor Brandenburgern die deutsche Verfassung verteidigen ist das etwas, was mich ganz nebenbei richtig freut.
Danke "
Ein Schelm" für diesen tollen Beitrag!
"Ein Schelm, wer böses dabei denkt!" ;-)